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Ein Hund als Kollege
17.12.2018  
Martina Bröder lebt anders als die meisten Polizisten mit einem ihrer Kollegen Seite an Seite. Das ist nötig, damit er eine gute Bindung zu ihr bekommt, sagt sie. Denn ihr Kollege ist der belgische Schäferhund "Atilla". Davon, wie das Leben und die Arbeit in diesem Job ist und warum Diensthunde die Polizeiteams nicht nur erweitern, sondern schützen, lest ihr hier.

Polizist zu sein ist wahrlich kein Schmusejob. Das Klima auf der Straße ist rauer geworden. Oft kann man in Gefahrenlagen geraten, die schwer zu überblicken sind. In solchen Momenten greifen Polizeidienststellen gerne auf Kollegen zurück, die vier statt zwei Beine haben: die Diensthunde.

"Eigentlich wollte ich immer schon einen Hund haben", sagt Bröder. Doch bei einem Fulltimejob und den auch noch im Schichtdienst, fand sie das schwer zu vertreten. Dann bekam sie nach der Ausbildung und einigen Jahren Berufs­erfahrung die Chance, bei der Hundestaffel zu hospitieren. Danach war sie sicher: "Das ist es!"
(c) by Polizei NRW
Diensthunde leisten im Berufsalltag von Polizeibeamten eine wertvolle Unterstützung
"Das Klima ist rauer geworden"

Und das, obwohl der Job viel Flexibilität erfordert. Einsatzlagen, in denen Schutz- oder Spürhunde gefragt sind, lassen sich nicht immer vorher planen. "Nachts zum Beispiel sollte bei uns immer ein Diensthund verfügbar sein", sagt Bröder. Nicht ohne Grund. Das Klima, auch gegenüber der Polizei, ist rauer geworden. "Unsere Arbeit wird nicht einfacher", sagt die junge Beamtin. Nicht immer würden die Beamten als Respektpersonen wahrgenommen. Einige ließen sich von einem Hund eher beeindrucken.

Für den Einsatz als Polizeihund kommen nicht alle Hunde in Frage. "Wir brauchen triebstarke Hunde mit gutem Aggressionspotential", sagt die erfahrene Hundeführerin. Neben einem ausgeprägten Beute- und Spieltrieb sei auch ein ausgeprägter Wehrtrieb wichtig.

Gelernt wird im Spiel
Schon als Welpen gehen Diensthunde in die Ausbildung. Dabei wird alles spielerisch aufgebaut. Als erstes schaut man dabei auf ihre Eigenschaften. "Ich hatte auch schon einmal einen Hund, der sich als zu verspielt herausstellte", sagt Bröder. Er sei als Diensthund nicht geeignet gewesen. Nach einem kurzen Kennenlernen musste sie sich darum wieder von ihm trennen. Diesmal aber ist es anders. Neben ihrem erfahrenen Diensthund hat sie einen weiteren neun Monate alten Vierbeiner als Nachwuchstalent in Ausbildung: "Bane".

In ihrer Ausbildung lernen die Vierbeiner das, was sie im Ernstfall können müssen, erst mal auf spielerische Art. Erst später kommt die Ernsthaftigkeit dazu. So lernen sie unter anderem, einen Täter in einem Gebäude aufzuspüren und zu stellen, damit er durch die Beamten festgenommen werden kann.

Man weiß nie, ob der Hund heil wieder herauskommt

"Diensthunde sind Einsatzmittel - für uns sind es Kollegen! Sie beschützen die eingesetzten Polizisten und werden in Lagen geschickt, bei denen wir nicht immer wissen, ob sie heile wieder raus kommen werden", sagt sie. Jeder Einsatz birgt ein Risiko. Trotz der engen Bindung zu ihrem Hund ist das Bröder bewusst. Fußballspiele, Demonstrationen u.ä. gehören neben dem Streifendienst zum Tagesgeschäft der Diensthunde.

Jedes Mal, wenn ein Einsatz funktioniere, sei Bröder unendlich stolz - auf das Team, die Kollegen und am meisten auf ihren Vierbeiner.

Im Training werden die Diensthunde auf möglichst viele verschiedene reale Situationen vorbereitet. Dabei übernehmen Bröders menschliche Kollegen die Täterrolle für ihren Hund. Das kann auch schon mal sehr anstrengend sein und erfordert eine gute körperliche Fitness.

Noch gut erinnert sich Bröder an das erste Mal, als sie vor ihrer Ausbildung zur Hundeführerin in die Schutzkleidung schlüpfte, um im Training den Täter "zu spielen". "Es war sehr beeindruckend! Man spürt, dass die Hunde es ernst meinen. Jedes Mal kamen sie hoch motiviert in die Übung, spürten mich in meinem Versteck auf und folgten jedem Wort ihrer Hundeführer ohne zu zögern." Das wollte sie auch lernen!

Aufgabenteilung zu Hause

Durch die Ausbildung der Diensthunde ist Bröder dann auch zu ihrem privaten Hund gekommen. Auch er sollte in die Ausbildung als Diensthund gehen. Es fehlte ihm jedoch an der nötigen Ernsthaftigkeit, so dass er seine Aufgaben nun zu Hause findet. Er hütet das Haus und bellt auch schon mal den Postboten an, während die Diensthunde ihren "Feierabend" genießen.

Martina Bröder wird noch einige Zeit im Team mit dem 7-jährigen "Atilla" unterwegs sein, bis der dann sein Pensionsalter erreicht hat. Wann das sein wird, kann niemand so genau vorhersagen. Unter anderem hängt das von der Gesundheit des Hundes ab. Bis dahin ist Nachwuchshund "Bane" ausgebildet und darf zeigen, was er kann.

Gelungene Einsätze im täglichen Dienst, aber auch die ständige Ausbildung des eigenen Hundes machen den Job zu einer abwechslungsreichen und spannenden Aufgabe. Hundeführer zu sein ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Es beeinflusst das ganze Leben der Familie. Dennoch steht für Bröder in Stein gemeißelt: Es ist ein super, super Job.